Annette ist gesund und munter in aller Herrgotts Frühe eingetroffen.

Annette ist gesund und munter in aller Herrgotts Frühe eingetroffen.

Unsere chinesische Freundin aus Tianjin hat uns im Zug nach Beijing begleitet und zum Hotel gebracht. Das Hotel 竹园宾馆 liegt in einem alten Gassenviertel und war früher eine qingzeitliche Residenz. Eine gute Wahl, ruhig mit einer schönen Gartenanlage mitten im lebhaften Xicheng Viertel gelegen. Nach einem Tee auf der Restaurantterasse haben wir unsere Freundin zu U-Bahn gebracht. Schade, dass wir uns nicht öfter sehen können.
Jetzt geht es in 33 Minuten im Schnellzug nach Beijing mit kneifendem Hosenbund und erheblicher Gepäckzunahme dank zahlreicher Geschenke. In Beijing werden wir wohl erstmal eine Post aufsuchen.
Ein wahrer Gewinn ist die gut ausgebaute Uferpromenade, die sich an beiden Ufern über mehrere Kilometer erstreckt. Parkähnlich gestaltet mit Laubengängen, unterschiedlichen Sitzgelegenheiten und einem breiten Gehweg lädt sie zum Flanieren, Joggen, Rumsitzen, Rauchen, Ratschen, Hunde ausführen, Leute schauen und Löcher in die Luft starren ein. Garantiert autofrei und daher entspanntes Bummeln möglich. Am Abend schön beleuchtet bekommt Tianjin mit der beleuchteten Skyline im Hintergrund noch mal ein ganz anderes interessantes Gesicht.
Yangliuqing ist ursprünglich ein kleines Dorf in der Nähe von Tianjin. Heute sind auf den Feldern, die einst zwischen Tianjin und dem Dorf standen, jede Menge Wohnsiedlungen entstanden und auch die U-Bahn führt bis dahin. Bekannt war das Dorf durch seine Neujahrsbilder – eine Art naive Malerei mit typischen Symbolen und Motiven- und das Anwesen der Familie Shi, eine erhaltene klassische Hofanlage mit etlichen Höfen, einem in China einmaligen Theater und einem eigenen Familientempel. Aus dem vor 20 Jahren stillem Ort, der mehrfach als Filmkulisse diente, ist ein rummeliges Ausflugsziel geworden. Das ursprüngliche Dorf ist verschwunden und um das Anwesen der Familie Shi herum ein ganzes Dorf im alten Stil aufgebaut worden – auch das Anwesen der Familie Shi wurde aus welchen Gründen auch immer zum Teil abgerissen und neu aufgebaut.
Am interessantesten ist heute eine kleinere Hofanlage der Familie An – 安家大院 -die dank des Engagements und Investments eines Privatmanns liebevoll restauriert und mit Originalmöbeln aus der Zeit ausgestattet ist. Das Anwesen ist 150 Jahre alt und die Familie An stammte ursprünglich aus Xinjiang. Sie betrieben Handel nach dem Motto: Einfuhr ja, aber keine Drogen, Ausfuhr ja, aber keine Kulturgüter.
Noch immer in Tianjin werden wir umsorgt und mit allerhand Köstlichkeiten gefüttert. Ob mit Feuertopf oder in einem Restaurant, wo man sich das Essen anhand ausgestellter Zutatenteller (so genau will ich es gar nicht immer wissen) oder noch lebend im Aquarium aussucht..
Das italienische Viertel – ein Relikt aus der Kolonialzeit – erstreckt sich bis zum Fluss und wurde als Attraktion wieder hergerichtet. Am Tage was für Architekturinteressierte, am Abend mehr für Partygänger, die hippe Kneipen lieben – wie das Bavaria Bräu – 😊
Am besten sieht man eine Stadt am Fluss vom Wasser aus. Deshalb ging es gestern mit drei chinesischen Freunden zu einer Bootsfahrt auf dem Haihe. Bei schönstem Wetter konnten wir die Skyline an beiden Ufern betrachten und reichlich Fotos machen. Vor allem am Südufer des Flusses, wo die alten europäischen Konzessionen waren, sieht man schön den Kontrast von neu und alt.
有朋自远方来不亦乐乎。wenn Freunde aus der Ferne kommen, ist das eine große Freude, wusste schon Konfuzius. Und wie kann man Freude mit Freunden besser Ausdruck verleihen als mit Essen: im Spezialitätenrestaurant mit achterlei Sorten von Jiaozi (Teigtaschen), zuhause mit selbst gekochten Köstlichkeiten im angesagten Szenelokal mit Buffet oder mit Tianjin kaoya (Konkurrentin der Pekingente. Hier eine Auswahl an Bildern, womit wir in drei (!) Tagen schon bewirtet wurden.